Kindern Medikamente verabreichen


05.06.2012

Ist ein Kind krank, verspüren seine Eltern das Bedürfnis schnell zu helfen. Doch das Verabreichen von Medikamenten gestaltet sich oft mehr als schwierig. Augentropfen oder Zäpfchen werden nicht akzeptiert und der bittere Saft wird nicht runtergeschluckt. In diesem Artikel möchten wir einige Tipps präsentieren, wie Sie Kindern Medikamente korrekt verabreichen können.

Ein einfacher Trick ist, wenn Sie sich, die Kooperation Ihres Kindes (z.B. für das Verabreichen von Augentropfen) durch eine anschließende Belohnung erkaufen. Falls auch das nicht hilft, ist es manchmal notwendig eine zweite Person hinzuzuziehen und sanfte Gewalt anzuwenden.

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Sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt

Ein Kinderarzt untersucht einen Jungen. Ein Kinderarzt untersucht einen Jungen. (Foto: Leading Seaman Imagery Specialist Helen Frank von der Royal Australian Navy)

Eltern schämen sich oft dafür, dass Ihr Kind bei der Einnahme von Medikamenten Probleme macht und verschweigen diese Tatsache dem behandelnden Kinderarzt. Tun Sie das nicht! Dieses Problem ist weit verbreitet und kein Arzt wird Sie für schlechte Eltern oder Ihr Kind für verzogen halten. Die meisten Kinderätzte sind mit der Thematik sehr gut vertraut und können viele Tipps geben, wie eine reibungslose Verabreichung anzugehen ist. Außerdem kann der Kinderarzt andere Formen der Verabreichung verschreiben (z.B. Tropfen statt Tabletten oder Saft statt einem Zäpfchen).

Achten Sie auf die Dosierung

Kinder gleichen Alters können ganz unterschiedlich groß und schwer sein. Daher sollten Sie Arzneimittel immer nach dem Gewicht und nicht nach dem Alter dosieren. Bei den meisten Kinderarzneien werden diese Werte eh übereinstimmen.

Wie bei Medikamenten für Erwachsene gilt, dass die beigefügten Werkzeuge (z.B. ein spezieller Messlöffel) für die Dosierung genutzt werden. Für die Dosierung sehr kleiner Mengen von Flüssigkeiten, ist eine nadellose Spritze oder Pipette bestens geeignet. Diese können Sie von ihrem Arzt oder Apotheker bekommen.

Für Babys sind spezielle Medizinschnuller verfügbar, über die ein flüssiges oder wasserlösliches Medikament nuckelnd verabreicht werden kann.

Mein Kind mag keine Zäpfchen

So wurdne Zäpfchen früher eingeführt. In alten Anleitungen wie dieser, werden Zäpfchen mit der Spitze voran eingeführt.(Foto: Steve Winton)

Ein Zäpfchen führen Sie Ihrem Kind am besten ein, wenn es mit angewinkelten Beinen auf der Seite liegt. Wenn es nicht richtig flutscht, kann etwas Creme oder warmes Wasser auf der Zäpfchenspitze helfen. Falls das Zäpfchen droht herauszurutschen, können Sie die Pobacken Ihres Kindes leicht zusammendrücken.

Eine Studie von Abd-El-Maeboud et al hat 1991 das Verabreichen von Zäpfchen in Krankenhäusern auf der ganzen Welt verändert: Wenn Zäpfchen verkehrtherum (also mit der stumpfen/flachen Seite nach vorne) eingeführt werden, bleiben sie nicht nur besser im Po; auch das Nachschieben mit dem Finger können Sie Sich sparen (Quelle: Nursing Times).

Mein Kind wehrt sich gegen seine Tropfen

Wichtig bei allen Tropfen: Berühren Sie mit der Pipette nie das kranke Ohr oder Auge und fassen Sie die Dosierspitze nicht mit der Hand an, sonst kann es zu Verunreinigungen und Infektionen kommen.

Ohrentropfen

Ohrentropfen sind am angenehmsten, wenn sie körperwarm verabreicht werden. Außerdem ist die Haltung wichtig. Am besten klappt es, wenn Ihr Kind seinen Kopf seitlich auf Ihren Schoß legt.

Augentropfen

Eine Flasche mit Augentropfen Eine Flasche mit Augentropfen (Foto: Way Tru, flickr)

Augentropfen sind, neben Augensalbe, eines der unbeliebtesten Medikamente bei Kindern. Gerade bei kleinen Kindern ist eine Verabreichung ohne die Hilfe einer zweiten Person quasi unmöglich.

Ihr Kind sollte sich auf den Rücken legen oder auf den Schoß des Helfers setzen und sich an diesen anlehnen. Dabei sollte es den Kopf in den Nacken legen und nach oben schauen.

Zur Verabreichung der Augentropfen ziehen Sie das Unterlied runter, bzw. leicht zur Seite, bis sich eine Tasche zwischen Auge und Lied bildet. Dorthinein geben Sie die Tropfen. Achten Sie darauf, nur das Weiße des Auges zu treffen, da dieser Bereich weniger empfindlich ist.

Mein Kind schluckt seinen Saft nicht

Auch wenn Säfte für Kinder normalerweise stark gesüßt sind, stören sich die kleinen Patienten oft am bitteren Nachgeschmack. Viele Eltern machen dabei zwei Fehler:

  1. Behaupten Sie nicht, der Saft sei lecker! Ihr Kind wird sich nach der ersten Einnahme belogen fühlen.
  2. Argumentieren Sie nicht ewig herum! Langes Gerede, warum und wieso es diesen Saft jetzt nehmen muss, verunsichern Ihr Kind nur. Sagen Sie entschlossen, dass es diesen Saft jetzt nehmen muss, damit es ihm bald wieder besser geht.

Darüber hinaus möchte ich Ihnen noch diese Tipps mit auf den Weg geben:

  • Wenn Sie Saft kühlen, schmeckt er weniger intensiv.
  • Wenn Sie Saft mit einer Spritze (ohne Nadel natürlich!) hinter die Backenzähne geben, wird der Schluckreflex ausgelöst und es kommt nicht zur Berührung mit den Geschmacksnerven der Zunge.
  • Wenn Sie ihrem Kind die Nase zuhalten, schmeckt es weniger.
  • Ihr Kind wird Ihnen dankbar sein, wenn es ein süßes Getränk oder eine süße Speise (z.B. Obst, Keks, Bonbon oder Lutscher) zum Nachspülen bekommt.
  • Tropfen können auch auf ein Stück Zucker geträufelt oder in Honig gegeben werden.

Mein Kind kann oder will die Tabletten nicht schlucken

Generell sind bei Kindern Säfte, Tropfen oder Zäpfchen als Verabreichungsform zu bevorzugen. Dennoch kann es vorkommen, dass sie ihrem Kind Tabletten, Dragees oder Kapseln verabreichen müssen. Oft kommt es dabei zu Problemen. Gerade das Schlucken großer Tabletten bereitet vielen Kindern Probleme.

Tabletten

Tabletten Solche Tabletten dürfen Sie meistens kleinstoßen oder in Wasser auflösen. (Foto: mattza, flickr)

Tabletten können sie kleinstoßen oder in Wasser auflösen. Fragen Sie vorher aber unbedingt Ihren Arzt oder Apotheker, da es auch Ausnahmen gibt. Zum Beispiel Filmtabletten, deren spezieller Überzug den Wirkstoff vor der Magensäure schützt.

Dragees

Dragees
Dragees müssen immer im ganzen verabreicht werden. (Foto: dvortygirl, flickr)

Dragees dürfen quasi nie zerkleinert oder geöffnet werden, da die Hülle meist einen wichtigen Zweck erfüllt. Entweder einen Schutz vor Magensäure wie bei den Filmtabletten oder um einen extrem übel schmeckenden und riechenden Wirkstoff an den Nerven des Patienten vorbeizuschleusen.

Kapseln

Kapsel Kapseln können Sie aufstechen um den Wirkstoff zu entnehmen. (Foto: Be.Futureproof, flickr)

Kapseln können Sie auseinanderziehen oder aufschneiden und den Inhalt auf einen Löffel oder in flüssige Nahrung geben. Auch hier gilt, dass Sie vorher unbedingt mit ihrem Arzt oder Apotheker sprechen müssen!

Medikamente gehören nicht in den Babybrei

Oftmals bekommen Sie den Tipp zu hören, Medikamente in den Brei oder das Milchfläschchen Ihres Babys zu geben. Das ist eine schlechte Idee!

  1. Falls Ihrem Kind der merkwürdige Geschmack auffällt, wird manchmal die gesamte Mahlzeit verweigert.
  2. Wenn Ihr Kind nicht aufisst oder austrinkt, ist unklar wie viel von der Arznei es konsumiert wird.
  3. Durch die Einnahme mit Nahrung kann der Wirkstoff verdünnt werden und somit unter Umständen weniger effektiv wirken.
  4. Nicht alle Arzneimittel dürfen mit jedem Nahrungsmittel konsumiert werden. Speziell Milch darf oft zwei Stunden vor und nach der Verabreichung des Wirkstoffs nicht getrunken werden. Auch Fruchtsäfte sind zu vielen Medikamenten unverträglich. Details erfahren Sie vom jeweiligen Beipackzettel, sowie von Ihrem Arzt oder Apotheker.
    1. Auf die Körperhaltung & -Lage kommt es an

      Auch die Körperhaltung und -Lage Ihres Kindes spielt eine große Rolle. Lassen Sie Ihr Kind Medikamente nie im Sitzen oder gar im Liegen einnehmen. Ihr Kind sollte aufrecht stehen und die Arznei auf die Zunge bekommen. Anschließen hilft ein Schluck Wasser um das Medikament bei leicht(!) geneigtem Kopf in den Rachen zu spülen. Anschließend sollte Ihr Kind ein halbes Glas Wasser trinken um ein Klebenbleiben in der Speiseröhre zu verhindern.
      Alternativ kann statt Wasser auch Kartoffelbrei oder Apfelmus verwendet werden.

      Mein Kind hat das Medikament ausgespuckt oder erbrochen

      Nicht selten kommt es vor, dass Kinder merkwürdig schmeckende Säfte wieder ausspucken. In den allermeisten Fällen spucken sie aber nur einen kleinen Teil wieder aus, was bedeutet, dass Sie die Einnahme nicht wiederholen müssen. Auch sollten Sie nicht die Dosierung bei der nächsten Zufuhr erhöhen um die ausgespuckte Menge auszugleichen. Falls das Ausspucken regelmäßig auftritt, sollten Sie Ihren Kinderarzt um eine andere Einnahmeform bitten

      Ganz anders sieht die Sache bei bereits runtergeschluckten und anschließend erbrochenen Medikamenten aus. Hier muss differenziert werden:
      Handelt es sich um ein Medikament, welches auf leeren Magen (also 30 bis 60 Minuten vor einer Mahlzeit) konsumiert wird, sind 15 meistens ausreichend um einen Großteil des Wirkstoffes an den Darm abzugeben. Eine wiederholte Einnahme ist nur notwendig, wenn das Erbrechen unmittelbar erfolgt ist.
      Anders sieht es bei Medikamenten aus, die zu einer Mahlzeit eingenommen werden. Falls Ihr Kind sich innerhalb von 60 Minuten nach der Verabreichung eins wichtigen Medikaments (z.B. eines Antibiotika) stark erbrochen hat, sollten Sie das Mittel erneut verabreichen.

Krankheiten

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