Wie wickelt & puckt man ein Baby?


15.10.2012

Bei jungen Eltern setzt zur Zeit wieder der alte Wickeltrend des Puckens ein, der über Jahrhunderte bei Babies eingesetzt wurde. Positiv hervorgehoben wird, dass gepuckte Babies ruhiger und ausgeglichener sind.

Das Pucken ist eine alte Wickelmethode, bei der ein Baby mindestens die ersten 3 Monate fest in ein Leinentuch gewickelt wurde, Arme und Beine fest am Körper fixiert. Das Pucken soll dem Baby die Sicherheit und Geborgenheit einer abgegrenzten Umgebung wie im Mutterleib bieten. Zudem soll es helfen, den Moro-Reflex, den Babies in den ersten Monaten haben und der zur Unruhe führen kann, abzustellen.

Geschichte des Puckens

Das Pucken sieht man schon auf Grabreliefs der Antike und auf Bildern im Mittelalter. Es ist eine uralte Tradition. Ein Baby wurde dabei mit einem Leinenhemdchen angezogen, in der Körpermitte mit einer Windel gewickelt und außen herum mit einer Decke, in die Arme und Beine am Körper liegend eingewickelt wurden. Zumeist wurde diese Decke oder ein abgetragenes Leinentuch noch mit Bändern umwickelt. Auch das Jesuskind sieht man auf vielen Bildern mit dieser Wickelmethode gewickelt. Ab dem 18. Jh. verwendete man aufwändig gehandarbeitete und bestickte Steckkissen, in die das Baby auch eng umschlossen hineinlegte. In den ersten Monaten wurden auch die Arme an den Körper angelegt, ab ca. einem halben Jahr nur noch der Unterkörper. Man war früher der Überzeugung, dass Kinder fest gewickelt werden müssen, damit sich das Rückgrat nicht verkrümmt.

Zur Zeit der Aufklärung setzte mit Philosophen wie John Locke und Jean Jacques Rousseau ein Trend zu mehr Natürlichkeit und Kindgerechtigkeit ein. Kinder, die zu eng gewickelt waren, litten häufig unter Atemnot und Überhitzung. Noch bis ins 19. Jh. hinein wurden diese Windeln auch nur einmal am Tag gewechselt, ein großes Hygieneproblem. Ab dieser Zeit kam das Pucken zugunsten von mehr Bewegungsfreiheit aus der Mode. In manchen Kulturen hat es sich bis heute durchgehend erhalten.

Ein gepucktes Baby So sieht ein gepucktes Baby aus. (Foto: greenfich1, flickr, CC BY 2.0)

Pucken heute

Durch die Zunahme von unruhigen Kindern und Schreikindern besinnt man sich wieder auf diese Wickeltechnik und Anfragen bei Hebammen häufen sich.

Pucktücher

Wenn man ein Baby pucken möchte, kann kann man z. B. ein Moltontuch in der Größe 80 x 80 cm nehmen und das Baby behutsam einwickeln, indem man das Tuch unten an den Füßen umschlägt und anschließend die Seiten herüberklappt und befestigt. Die Arme werden dabei am Körper angelegt. Für weitere Informationen über Pucktücher empfehlen wir pucktuch.net.

Pucksäcke

Es gibt aber auch Pucksäcke. Hierbei entfällt das Wickeln. Das Baby wird in den Pucksack gelegt und dieser mit einem Klettverschluss verschlossen. Diese sind aber nur bedingt geeignet, weil zu viel Arm- und Beinfreiheit besteht. Besser geeignet ist der SquaddleMe-Pucksack aud den USA.

Wichtig ist es, drauf zu achten, dass die gepuckten Säuglinge weder überhitzen noch auskühlen.

Vorteile

Das Pucken vermittelt dem Säugling nach der Geburt eine überschaubare Begrenztheit wie im Mutterleib und dadurch Sicherheit und Geborgenheit. Babies schlafen ruhiger und fester, sie werden weniger unruhig und schrecken wegen des Moro-Reflexes nicht so leicht aus dem Schlaf. Gepuckte Babies schlafen in der Rückenlage, was wegen des Plötzlichen Kindstods empfohlen wird. Darüber hinaus haben gepuckte Babies aufgrund der gleichmäßigen Wärme weniger unter Blähungen zu leiden als andere Säuglinge.

Nachteile

Einwände kommen von Ärzten, die davor warnen, ein Kind so eng pucken, dass es weder Bewegungsfreiheit hat noch gut atmen kann. Auch Nerven können abgeklemmt werden. Das Risiko für Hüftdysplasien steigt dadurch nachweislich an. Im Sommer besteht die Gefahr des Überhitzens durch die gestaute Wärme. Durch das lange Liegen in einer Position kann der Hinterkopf abflachen. Ärzte entkräften auch das Argument der Geborgenheit. Die Ruhe ist durch Resignation erkauft. Im Mutterleib kann sich das Baby frei bewegen, gepuckt nicht. Ärzte raten vom Pucken ab, weil es eher der Bequemlichkeit der Eltern als dem Wohl der Kinder dient.

Krankheiten

Bekannte Krankheiten im Überblick:
Diphtherie | Kinderlähmung | Keuchhusten | Hepatitis B | Masern | Mumps | Röteln