Kinderlähmung

Die Kinderlähmung, auch Poliomyelitis genannt, ist eine hochansteckende Viruserkrankung. Sie zählt zu den Kinderkrankheiten, da sie vorwiegend im Säuglings- und Kleinkindalter auftritt. Durch die hohe Impfrate konnte das Auftreten der Kinderlähmung, seit 1960, in den westlichen Ländern Europas und den USA weitesgehend eingedämmt werden. Hin und wieder gibt es noch vereinzelte Fälle von Poliomyelitis, die durch Impflücken auftreten.

Erreger

Der Erreger der Kinderlähmung ist das Polio-Virus, welches vorwiegend die Vorderhörner des Rückenmarks, die für die Kontrolle der Bewegungen zuständig sind, befällt. Die Übertragung des Erregers erfolgt meist fäkal-oral, das heißt das Virus wird über den Mund aufgenommen, meist mit verschmutzten Nahrungsmitteln. Die Zeit von der Ansteckung mit dem Erreger bis zum Auftreten erster Krankheitsanzeichen, die sogenannte Inkubationszeit, beträgt 3-35 Tage. Bei ca. 95% aller Infizierten läuft die Infektion unbemerkt ab.

Symptome

Die Folge daraus sind auftretende Lähmungserscheinungen, unter anderem kann auch eine Atemlähmung auftreten, die dann zum Tod führt. Ansonsten teilt sich der Verlauf der Kinderlähmung in zwei Phasen. In der ersten Phase treten unspezifische Symptome, wie Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, Durchfall, Fieber und Schluckbeschwerden auf. In der zweiten Krankheitsphase zeigen sich dann typische Symptome der Poliomyelitis, wie Lähmungen, Rückenschmerzen, Muskelschmerzen und eine erhöhte Empfindlichkeit auf äußere Reize.

Krankheitsverlauf

Die Infektion kann drei unterschiedliche Verläufe nehmen. Zum einem den subklinischen Verlauf, auch gemilderte oder abortive Poliomyelitis genannt. Hier beträgt die Inkubationszeit 6-9 Tage. Die Symptome zeigen sich in Fieber, Übelkeit, Halsschmerzen und Kopfschmerzen. Das zentrale Nervensystem (ZNS) wird hierbei nicht befallen. Der zweite Verlauf ist der nicht-paralytische Verlauf. Er tritt 3-7 Tage nach der gemilderten Poliomyelitis auf. Hier zeigen sich Fieber, Nackensteifigkeit, Rücken- und Muskelschmerzen. Das ZNS ist dabei schon infiziert. Dieser Verlauf tritt bei etwa 1% aller Polio-Infizierten auf. Der dritte und schwerste Verlauf ist der paralytische Verlauf. Er folgt 1-2 Tage nach dem nicht-paralytischen Verlauf. Hier treten asymmetrische Lähmungen, vor allem in den Beinen auf. Meist bleiben danach körperliche Schäden zurück. Der paralytische Verlauf betrifft ca. 0,1% der Polio-Infizierten.

Diagnose und Therapie

Die Diagnose der Kinderlähmung erfolgt durch klinische Beobachtung und durch den Nachweis des Erregers in Gehirnflüssigkeit, Rachensekret oder Stuhl. Da es gegen das Polio-Virus keine wirksamen Medikamente gibt, besteht die Behandlung in der Linderung der einzelnen Symptome.

Impfung

Durch eine Impfung kann der, unter Umständen tödlich verlaufenden, Krankheit vorgebeugt werden. Die ständige Impfkommission empfiehlt eine Impfung gegen Kinderlähmung für alle Kinder bis zum 18. Lebensjahr. Im Erwachsenenalter muss die Impfung nur aufgefrischt werden bei Personen die zu einem infektionsgefährdeten Kreis gehören (z.B. medizinisches Personal, Fernreisende). Da in einigen Ländern, vor allem der dritten Welt, die Kinderlähmung noch weit verbreitet ist, kann einer erneuten Epidemie in Deutschland nur durch lückenlose Impfungen vorgebeugt werden.

Krankheiten

Bekannte Krankheiten im Überblick:
Diphtherie | Kinderlähmung | Keuchhusten | Hepatitis B | Masern | Mumps | Röteln